Der Unterschied zwischen People Pleasing und Höflichkeit
People Pleasing ist nicht dasselbe wie Höflichkeit oder Anstand – aber es kann leicht verwechselt werden, weil es oft mit positiven Eigenschaften wie Freundlichkeit oder Mitgefühl einhergeht. Der Unterschied liegt in der inneren Motivation:
- Höflichkeit & Anstand: Ich bin freundlich, weil ich den anderen respektiere, aber ich bleibe mir selbst treu.
- People Pleasing: Ich bin freundlich, weil ich Angst habe, abgelehnt oder nicht gemocht zu werden.
People Pleaser stellen ihre eigenen Bedürfnisse oft so weit zurück, dass sie nicht mehr spüren, was sie eigentlich selbst wollen. Sie richten sich nach den Erwartungen anderer, um Harmonie zu wahren – oft auf eigene Kosten.
Wie unsere Erziehung uns vom Authentisch-Sein abbringen kann
Ja, Erziehung spielt eine große Rolle. Viele von uns haben gelernt:
- „Sei brav, dann bist du liebenswert.“
- „Mach es den anderen recht, dann wirst du akzeptiert.“
- „Stell dich nicht so an, sei nicht so egoistisch.“
Das sind subtile Botschaften, die oft dazu führen, dass wir uns anpassen, um Liebe und Zugehörigkeit zu erhalten. Doch wenn wir als Erwachsene weiterhin danach leben, verleugnen wir uns selbst – und das erzeugt innere Konflikte.
Wie man aus dem People Pleasing ausbricht
Der Schlüssel liegt in der Selbstbeobachtung. Stell dir Fragen wie:
- Mache ich das aus echter Überzeugung oder aus Angst vor Ablehnung?
- Gebe ich gerade mehr, als ich eigentlich kann oder will?
- Wie oft sage ich Ja, obwohl ich Nein meine?
Ein kraftvoller Weg raus aus dem People Pleasing ist, in kleinen Schritten Nein zu sagen – erst in weniger bedeutsamen Situationen und dann in größeren.
Gewaltfreie Kommunikation ist wichtig – aber sie kann nicht alles lösen
Wie du sagst: Selbst wenn du etwas in liebevollster Weise sagst, wird es nicht jeder so verstehen, wie du es meinst. Denn jeder hört durch seine eigenen Filter, geprägt von seinen Erfahrungen und Emotionen. Hier kommen wieder Selbstverantwortung und Grenzen ins Spiel:
- Du bist nicht für die Emotionen anderer verantwortlich.
- Du kannst nicht kontrollieren, wie jemand deine Worte interpretiert.
- Es ist okay, wenn nicht jeder mit deiner Wahrheit umgehen kann.
Manche Menschen werden sich distanzieren, wenn du beginnst, authentischer zu sein – und das ist in Ordnung. Nicht jeder gehört in dein Leben.
Mag ich die Person, die ich beeindrucken will, überhaupt?
Das ist eine der kraftvollsten Reflexionsfragen überhaupt! Oft verbiegen wir uns für die Anerkennung von Menschen, die wir gar nicht wirklich schätzen. Wenn du jemandem gefallen möchtest, frage dich:
- Würde ich diese Person um Rat fragen?
- Fühle ich mich wohl in ihrer Nähe?
- Inspirieren sie mich oder rauben sie mir Energie?
Diese Perspektive zu wechseln kann unglaublich befreiend sein. Es geht nicht mehr darum, ob du gemocht wirst – sondern darum, ob du diese Person in deinem Leben haben möchtest.
Fazit: Wahre Freiheit liegt in der Selbstverantwortung
People Pleasing aufzugeben ist ein Prozess, aber mit jedem Schritt in Richtung Authentizität wirst du Menschen anziehen, die dich wirklich schätzen – nicht für das, was du für sie tust, sondern für das, was du bist.
Dein Instinkt geht genau in die richtige Richtung: Wer dich nicht versteht oder akzeptiert, gehört vielleicht einfach nicht in dein Leben. Und das ist keine Ablehnung – sondern eine Einladung, dich mit den richtigen Menschen zu umgeben.
Sabrina Lettieri, Frühling 2025
