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Abschied von alten Mustern – und der Weg zurück zu uns selbst

Wir kommen als offene, neugierige und unverstellte Wesen zur Welt. Doch von dem Moment an, in dem wir geboren werden, beginnt unsere innere Architektur sich zu formen: durch Erziehung, durch Nähe oder deren Fehlen, durch Erwartungen, durch Erlebnisse, Freundschaften und Verletzungen.

Aus all dem entstehen Glaubenssätze, die uns sagen, wer wir sein dürfen – und wer nicht. Was wir verdienen – und was nicht. Wo wir hingehören – und wo nicht.

Viele dieser Sätze sind nicht bösartig. Sie entstehen aus Liebe, aus Prägung, aus Schutz. Und doch können sie uns im Erwachsenenalter daran hindern, unser wahres Ich zu leben.

Wie alte Muster uns in fremde Leben führen

Psychoedukativ betrachtet folgen viele Menschen unbewusst folgenden Kräften:

Überlebensmuster

Als Kinder passen wir uns an, um sicher zu sein: „Ich darf nicht anecken.“ „Ich muss stark sein.“ „Ich muss leisten, um geliebt zu werden.“ Diese Muster waren einmal sinnvoll – sie haben uns geschützt. Doch als Erwachsene halten sie uns klein. Oftmals stammen sie von einer Gesellschaft indem wir mit unseren „wilden“ (eigentlich absolut altersangemessenen) Charakter nicht den Normen entsprachen, die damals erwünscht waren. Dadurch kommt es zu…

… unsichtbare Loyalitäten

Wir bleiben Ideen treu, die wir nie selbst gewählt haben: Berufsvorstellungen, Rollenbilder, Erwartungen. Wir tun Dinge, „weil man das so macht“ oder „weil es von uns erwartet wird“. Das Problem: Wir sind loyal – aber nicht uns selbst gegenüber. Dadurch stützen wir ein Harmoniebedürfnis, dass eigentlich keines ist. Zudem wird eine Angst gefüttert, die wir anfangs noch gar nicht zu benennen wissen: Die …

… Angst vor Ablehnung

Viele Menschen leben ein Leben, das nicht wirklich ihr eigenes ist, weil die Vorstellung, abzulehnen was nicht mehr passt, bedrohlicher wirkt als das Festhalten am Alten. Doch das Festhalten erzeugt ein stilles, inneres Brennen: eine leise Unstimmigkeit, die irgendwann zur Erschöpfung wird.

Das Dilemma: Wir betrügen uns – und andere

Um anderen zu gefallen, den Anschein der Harmonie zu wahren, damit es anderen gut geht führt oftmals (nicht immer) dazu, dass wir uns selbst verbiegen. Wir sagen „Ja“, selbst wenn es innerlich nicht stimmig ist- um zu gefallen, um Konflikte zu vermeiden oder weil wir denken, wir seien es nicht Wert. Wir leben dann ein Leben- ist es aber das was wir selbst gerne führen wollen?

Wenn wir wirklich ehrlich mit uns sind, ist das was wir in unserem Leben an Zeit verbringen, das womit wir unser Leben auch füllen wollen? Der jetzige Augenblick- dieser Moment jetzt – ist unsere Lebenszeit. Wir wissen nicht, wann diese endet- Sind die Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen auch für uns?

Denn wenn wir ein Leben leben, das uns nicht gehört, betrügen wir nicht nur uns selbst.

Wir betrügen auch die Menschen, die sich für uns entscheiden, die sich an uns orientieren, die mit uns ihr Leben gestalten. Denn sie verbinden sich oft nicht mit uns – sondern mit der Version, die wir in diesem Augenblick leben.

Authentizität ist deshalb kein Egoismus. Sie ist ein Akt von Ehrlichkeit und Verantwortung. Auch gegenüber denen, die uns nah sind. Selbstfürsorge in einer gesunden Form, sollte so gelebt werden, dass unsere Kinder nicht in Muster verfallen, die wir nicht aufgearbeitet haben „weil man das nicht so macht“, oder es für andere womöglich unangenehme Konsequenzen hat.

Wie wir alte Muster lösen können

Das Loslassen alter Muster ist kein radikaler Akt. Es ist ein Prozess – sanft, tief, mutig. Hier sind drei Wege, die tatsächlich funktionieren können:

Bewusstmachen: Den inneren Satz erkennen

Jeder Glaubenssatz ist ein Satz. „Ich darf nicht scheitern.“ „Ich störe, wenn ich mich zeige.“ „Ich bin nicht wichtig.“ Wenn wir den Satz benennen, verliert er Macht. Er wird aus einem „So bin ich“ zu einem „So wurde mir beigebracht zu sein.“

Darin liegt enorme Freiheit.

Eine Möglichkeit damit umzugehen ist die Verwandlung in einen positiven, liebevollen Satz. Aus „Ich darf nicht scheitern“ kann werden: „Ich darf scheitern“-, denn Fehler sind Erfahrungen, die einen weiter wachsen lassen. Man wächst über sich hinaus- und am Schluss ist genau das, das Menschlichste an uns.

Aus „Ich störe, wenn ich mich zeige“, kann werden: „Ich zeige mich und dadurch werde ich gefunden, von Menschen, die mir gut tun“ – Dadurch findet man seinen „Tribe“

Aus „Ich bin nicht wichtig“ kann „Ich bin wichtig“ werden. Denn Du bist wichtig für dich. Und wenn nicht, dann fühl dich herzlich eingeladen zu einem kostenfreien Beratungsgespräch- denn eines sollte klar sein: Dein Selbstwert ist nicht verhandelbar. Es gibt Menschen, die dich lieben und schätzen.

Und so, können weitere Glaubenssätze zunächst durch den Verstand verändert werden. Anschließend kann über die Emotionen und den Körper weiter daran gearbeitet werden.

Innere Differenzierung: Wer spricht da eigentlich?

Viele inneren Stimmen sind nicht unsere. Sie gehören zu Eltern, Lehrern, Systemen, die uns geprägt haben.

Frage dich:

„Ist das meine Überzeugung – oder die eines anderen, die ich übernommen habe?“

Allein diese Unterscheidung kann emotionale Räume öffnen.

Erlaubnisarbeit: Ich darf anders sein.

Das klingt simpel – ist aber tiefgreifend. Wir müssen uns selbst erlauben:

  • anders zu fühlen
  • anders zu denken
  • anders zu leben
  • Grenzen zu setzen
  • und neue Wege zu gehen

Erlaubnis ist der Anfang jeder Veränderung. Ohne sie bleibt jede Einsicht nur theoretisch. Jegliche Meinung ist KEIN Fakt. Es sind Meinungen. Gratis Luft- bei denen wir entscheiden dürfen, wie viel Wert wir ihnen schenken. Du bist nicht ausgeliefert- du brauchst dich nicht selbst dafür zu bestrafen, über das was jemand gesagt hat oder meint.

Erinnere dich daran: Meinungen sind geprägt durch das eigene Selbst-, Welt-, und Denkbild. Werte und Ansprüche, die du nicht teilen musst. Du darfst du sein- das ist absolut erwünscht.

Ab einem bestimmten Punkt im Leben wird Ehrlichkeit unabdingbar.

Der Abschied von alten Mustern bedeutet nicht, die Vergangenheit zu verurteilen. Er bedeutet, in die Gegenwart zurückzukehren. Dank der Vergangenheit durftest du lernen, wachsen und gedeihen. Sie prägte dich zu dem Menschen, der du heute bist. Heute darfst du leben- nicht mehr nur „überleben“. Du darfst Agieren, nicht immer nur Reagieren.

Jedes Mal, wenn wir uns ein Stückchen näherkommen, wird unser Leben stimmiger, echter und leichter. Anfangs vielleicht einsamer- aber die richtigen Menschen tauchen auf, wenn wir zu dem stehen, wer wir eigentlich sind.

Und manchmal beginnt Veränderung genau hier: mit dem Mut, uns nicht länger zu verraten – damit wir endlich wieder uns selbst gehören.

Du bist wichtig.

Schön, dass es dich gibt!

Sabrina Lettieri, Winter2 2025

Wenn dich dieses Thema bewegt – du musst das nicht alleine durchdenken. Ich begleite dich gerne in einem ersten kostenlosen Gespräch.

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